ATD Die komplizierte Mayonnaise des Thomas Pynchon

Otto ottosell at googlemail.com
Wed Nov 22 08:48:42 CST 2006


Uwe Schmitt: Die komplizierte Mayonnaise des Thomas Pynchon

Ein Heulen kommt über den Himmel: Amerikas Kritiker rätseln, was es
mit dem neuen Roman von Thomas Pynchon auf sich hat, der am Montag in
den USA erschienen ist. „Against the Day" breitet auf 1185 Seiten 30
Jahre Geschichte aus. (...)

 Die „Washington Post" sieht den Geist der Marx Brothers über dem
Roman schweben. „Time" misst das Gewicht, „drei Pfund, sechs Unzen",
an einem Toaster, der immerhin Toast herstelle; was bei „Against The
Day" herauskomme, sei höchst unklar. In „Newsweek" gesteht der
Kritiker, dass er nunmehr nach 400 Seiten genug Notizen für ein Buch
habe und daher beschlossen habe, in Fortsetzungen zu rezensieren. Er
wolle der treue Sherpa des Lesers sein, „aber auch ich war noch nie
auf dem Gipfel dieses Romanberges".

„Newsday" erinnert an T.S. Eliots Urteil über James Joyces „Ulysses".
Es habe die Bedeutung einer „wissenschaftlichen Entdeckung"; Joyce sei
für die Literatur, was Einstein für die Physik bedeute. „Against The
Day" sei brillant, auf manche Weise blöde, „sehr wenige Menschen
werden es zu Ende lesen". Er habe den Roman, „erregend, entnervend und
erschöpfend wie alle seine anderen Romane zusammen", in wenigen Tagen
verschlungen und könne die Erfahrung nicht empfehlen. Um die Seite 800
habe er das Gefühl gehabt, „dass mein Gehirn versucht, sich aus meinem
Schädel zu kratzen". (...)

Das Intenet hat seine Verehrer in aller Welt zu einer Verschwörung der
Exegeten zusammengeschlossen. Es gibt einen „Pynchon News Service" und
etliche Webseiten mehr oder minder seriöser Herkunft.

http://www.welt.de/data/2006/11/20/1118475.html




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