ATD Eine Reise in den Geist von P

Otto ottosell at googlemail.com
Tue Oct 24 11:00:08 CDT 2006


 Eine Reise in den Geist von P.  — von Guido Graf, DIE WELT  29.08.2006.

    "Was also teilt Pynchon mit? Der neue Roman spiele von 1900 bis
kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Orte, verstreut über die ganze Welt,
werden genannt, unter anderem auch eine so bedeutende Stadt wie
Göttingen. Ein Hinweis, den wir seit ein paar Jahren schon durch den
ehemaligen Kulturstaatsminister und eben auch ehemaligen
Pynchon–Verleger Michael Naumann kennen. Naumann berichtete, dass
Pynchon zu Recherchen in Deutschland war, insbesondere in Göttingen,
wo der große deutsche Mathematiker David Hilbert gelehrt hat.
Natürlich geht es, wie immer bei Pynchon, noch um viel mehr. Aber wie
schon in seinen früheren Romanen nehmen Deutschland und die deutsche
Geschichte eine Schlüsselrolle ein. Schließlich geht es Pynchon darum,
zu beschreiben, wie wir technologisch und ökonomisch geworden sind,
was wir sind - wie wir zur Überzeugung gefunden haben, dass alles
berechenbar sei -, und wie wir vergessen konnten, dass diese Idee mit
eben diesem Vergessen zu tun hat. Pynchon geht gut hundert Jahre
zurück, erteilt allen Hoffnungen eine Absage, man könnte seine immer
bis ins Groteske genaue Krisengeschichte mit dem Weltdesaster 9/11
aktualisieren – und will doch nicht weniger als die komplizierte
Vorgeschichte erzählen. Dafür wendet sich Pynchon Deutschland,
genauer: Göttingen zu. (…) David Hilbert war Mathematiker in
Göttingen. Der nach ihm benannte Hilbert-Raum, ein Raum mit
unendlichen Dimensionen, der später für die Quantenmechanik eine
grundlegende Rolle spielte, kommt als Anspielung bereits in "Die Enden
der Parabel" vor. Ein Doppel-Agent ist dort nach Hilbert benannt. Und
von Hilbert aus schreibt Pynchon nun mit seinem neuen Roman "Against
the Day" die Geschichte des Computers neu."
http://www.welt.de/data/2006/08/29/1014117.html




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